Noch jemand, der sich mehr Medienbildung an Schulen wünscht?

Mein Sohn erzählt von einem langweiligen Medientag in der Schule – und entzündet so den Wunsch in mir, dass Kinder bessere Medienbildung verdienen. Also starte ich eine Recherche und befrage Eltern. Und mache ein riesiges Fass auf.  

Medienkompetenz an Schulen: Die wenigsten Schüler fühlen sich für die Zukunft trainiert (Illustration: Social Media by Joris Hoogendoorn / Noun Project)
Medienkompetenz an Schulen: Die wenigsten Schüler fühlen sich für die Zukunft trainiert (Illustration: Social Media by Joris Hoogendoorn / Noun Project)

In der dritten Stunde kommen Polizisten, um über Facebook zu sprechen. „Einer zeigte, wie ein privates Urlaubsbild aus Deutschland drei Wochen später in den USA als Werbung landete“, erzählt mein 14-jähriger Sohn beim Abendessen. Zudem demonstriert der Beamte, wie frühere Party-Bilder spätere Job-Bewerbungen gefährden – und was eigentlich in den Nutzungsbedingungen des Sozialen Netzwerks steht: „Dass Facebook meine Geo-Daten speichern, mir Werbung, meine Bilder nutzen darf“, referiert er weiter.

Schließlich erfahren die Schüler Netz-Gefahren anhand eines realen Falls, in dem eine Teenagerin wegen eines verbreiteten Nacktbildes Freunde verliert, soziale Ächtung erfährt, die Schule wechseln muss. Cybermobing ist das Thema des jährlich stattfindenden Medien-Tags an seiner Schule. Mir gefällt das – war sicherlich cool, oder? „Langweilig, ich wusste das meiste bereits“, schließt er seine Erzählung. Was hättest Du denn lieber erfahren? „Der Algorithmus von Facebook hätte mich interessiert“, sagt er während er mit seinem Teller in die Küche schlurft.

Medienkompetenz: Brauchen die Kinder das überhaupt?

Seine Aussage startet meine Gedanken. Geht es nur meinem Sohn so, dass ihn die Inhalte zu neuen Medien an seiner Schule langweilen? Und geht es nur mir so, dass ich mir für meine Kinder mehr Bildung im Umgang mit (digitalen) Medien wünsche?

Am nächsten Tag beginne ich meine Recherchereise mit einem Kurztrip ins Internet – und stoße zunächst auf eine jüngst veröffentliche Studie im Auftrag von Microsoft, wonach sich 17 Prozent der Schüler von ihren Lehrern ausreichend auf die Hürden einer digitalen Zukunft vorbereitet fühlen. Ich surfe weiter zum bayerischen Kultusministerium, entdecke dort, wie Medienbildung im Lehrplan verankert ist, nämlich „als fächerübergreifendes Bildungsziel in den Lehrplänen aller Schularten“ – was für mich danach klingt, dass Medienthemen nirgendwo wirklich thematisiert werden. Aber ist das überhaupt nötig? Wünschen sich Eltern mehr Medienlehre? Ich rufe ein paar befreundete Väter und Mütter an.

Kinder sollten in der Lage sein, Quatsch im Netz zu erkennen

„Ich wünsche mir ein Medienseminar mit Praxis-Bezug“, sagt Florian* (43), Vater eines 16-jährigen Realschülers und einer 8-jährigen Grundschülerin. Die Kinder sollen Quatsch im Netz identifizieren können. Wissen, wie Bibis Schminktipps von Unternehmen gesteuert werden. Oder in der Lage sein, eine Verschwörungstheorie zu erkennen. „Schließlich wird das Weltbild der Teenager heute stark vom Internet geprägt.“

„Wie mache ich meine Kinder fit, dass sie nicht auf Abofallen reinfallen oder im Netz beim Pokern plötzlich echtes Geld ausgeben?“, fragt Petra (43), drei Söhne auf dem Gymnasium (19, 15, 10). Und Stefan (41), vier Kinder (11, 8, 6, 4) in einer reformpädagogischen Einrichtung, meint: „Inhaltlich weiß ich Bescheid. Aber mir fehlt eine Didaktik, wie ich meinen Kindern, den Umgang mit Medien beibringen soll. Und ein Wissen, ab welchem Alter ich welches Medium freischalten sollte.“

Medien in der Schule: Können wir nicht eigene Internetseiten bauen?

Schließlich Larissa (43), ihr Sohn ist neun Jahre alt. Er besucht eine Waldorfschule. „Ich sehe da keinen zusätzlichen Bedarf“, erklärt sie. Ein Vortrag zum Thema in der Schule in diesem Jahr reicht ihr. Und verweist darauf, dass sie digitale Skills auch ohne Förderung durch die Schule erworben habe. „Die Kinder wachsen da rein.“

An diesem Nachmittag hole ich meinen neunjährigen Sohn von der Schule ab. Als wir nach Hause laufen, erzähle ich von den Gesprächen mit den Eltern. „Weißt Du, was ich gerne in der Schule mal machen würde“, sagt er. „Eine eigene Internet- oder Facebookseite. Zu einem Thema, das ich will.“ Macht ihr sowas nicht schon? „Ja, in der siebten Klasse“, das hat ihm sein älterer Bruder erzählt. Aber die Seite blieb offline.

Infografik: Smartphone gehört bei Teenies zur Grundausstattung | Statista

Den Rest des Weges schweige ich. In meinem Kopf kursieren zu viele Fragen: Zu welchen Themen könnte man mit dem Nachwuchs eine (natürlich mobile) Seite erstellen? Was plant die Regierung in Zukunft zur Vermittlung medialer Skills? Welche Medien-Bildungsangebote gibt es neben der Schule? Was können wir Eltern selbst tun? Und was ist das eigentlich: Medienkompetenz? Ich spüre, dass diese erste Recherche der Start einer langen Reise ist …

*Alle Namen von mir geändert. Die Väter und Mütter kenne ich persönlich.

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