Magdalena Rogl (Microsoft): „Meine Kinder sollen sich selbständig im Netz bewegen können.“

Sie arbeitet für ein Unternehmen, das mit digitalen Produkten groß wurde, als Chefin der digitalen Kanäle, mal im Büro, mal daheim – dabei stets im Internet. Wie bereitet die durchdigitalisierte Magdalena Rogl ihre vier Kinder auf die Arbeitswelt von morgen vor?

Wie bereiten wir unsere Kinder auf eine freie Arbeitswelt vor, Magdalena Rogl? "Gib ihnen früh die Chance zu lernen, wie sie sich selbst organisieren." (Foto: Microsoft)
Wie bereiten wir unsere Kinder auf eine freie Arbeitswelt vor, Magdalena Rogl? „Gib ihnen früh die Chance zu lernen, wie sie sich selbst organisieren.“ (Foto: Microsoft)

Magdalena Rogl kommt aus der Zukunft. Zumindest wirkt Sie so auf mich: Die 31-Jährige hat vier Kinder (14, 13, 11, 6), arbeitet in Vollzeit auch Zuhause, weil ihr Arbeitgeber ihr die Freiheit dazu gibt – sowas soll es doch erst in Jahren geben. Sie ist Head of Digital Channels – was nach Morgen und Expertise für digitale Kanäle klingt. Im März wechselt sie von Tomorrow Focus zu Microsoft – das Unternehmen, das sich jüngst unter dem Schlagwort #Schichtwechsel für ein visionäre Form der Arbeit positioniert, zum Beispiel auf der jüngsten Digitalkonferenz re:publica oder auf einem eigenen Tumblr-Blog.

So wie Du heute arbeitest, stellen sich Experten die Zukunft der Arbeit vor: zuhause, flexibel. Was muss ich können, um daheim zu schaffen? Ich habe gelernt, dass ich mich stärker organisieren muss. Wann zum Beispiel muss ich unbedingt im Büro sein? Und ich muss mich selbst disziplinieren, dass ich zwischendurch nicht die Wäsche mache. Daher arbeite ich viel mit To-Do-Listen – und teile mir die Tage, die Woche, genau ein.

Selbständigkeit gibt Kindern Selbstsicherheit.

Experten vermuten, dass in Zukunft mehr Menschen so flexibel arbeiten. Ein Tipp, wie wir unsere Kinder heute auf eine freie Arbeitswelt vorbereiten? Gib ihnen bereits im Kleinkindalter die Chance zu lernen, wie sie sich selbst organisieren. Mein Kleiner ist jüngst sechs geworden. Er weiß, wann er seinen Sportsack mitnehmen muss – und wann er welche Hausaufgaben zu erledigen hat. Selbständigkeit gibt den Kindern Selbstsicherheit. Weil sie nicht darauf angewiesen sind, dass ich ihnen etwas hinterher trage oder etwas packe.

Was gibst Du Deinen Kindern außerdem auf den Weg in die digitale Zukunft mit? Mir ist es wichtig, dass sie Zugriff auf das Internet haben. Viele sagen: „Mann muss die Kinder davor schützen“. Ich sehe das anders. Mir ist es wichtig, dass sie lernen, mit dem Netz und den Devices umzugehen. Sie sollen Dinge ausprobieren und eigene Erfahrungen machen. Ich will, dass sich meine Kinder selbständig im Netz bewegen können. Natürlich ist es dabei wichtig, Wissen und Regeln mitzugeben.

Was für ein Wissen? Ein Beispiel aus der Grundschule meiner Kinder: Dort gibt es das Programm „Mini Reporter“, da stellen die Kinder im Wechsel morgens die Nachrichtenlage vor. Dafür müssen sie im Netz recherchieren. Oder sich im Fernsehen LOGO anschauen. Das halte ich für ein sehr wichtiges Wissen: Wo finde ich was? Welche Dienste gibt es? Welche Quellen sind vertrauenswürdig? So lernen die Kinder, mit Informationen umzugehen.

Dein ältester Sohn ist 14. Welches Wissen gibst Du ihm als Social Media Expertin mit auf seinem Weg bei Facebook? Dass er weiß, dass alles im Netz öffentlich ist oder werden kann. Dass alles, was im Internet war, für immer dort ist. Dass er auf seine Daten achtet, zum Beispiel die Sichtbarkeit der Adresse. Dass er darauf achtet, ob und welche Fotos er hochlädt. Und dass er sensibilisiert dafür ist, welche Äußerungen er dort macht. Aber auch, dass die sozialen Netzwerke eine große Chance bieten, Menschen aus aller Welt zu verbinden, Meinungen auszutauschen, sich zu informieren oder einfach Erlebnisse zu teilen.

Microsoft hat 2014 Minecraft gekauft: Ein Spiel, das die New York Times jüngst als das Tool schlechthin bezeichnete, mit dem Kinder die digitale Welt lernen. Warum stimmt das? Für Kinder ist es wichtig, Dinge spielerisch zu lernen. Bei Minecraft bauen sie eigene Welten, Dinge. Sie erschaffen selbst etwas. Sie kooperieren dortmiteinander. Dort wird viel angelegt, was für Kinder wichtig ist: Fantasie, Kreativität, Zusammenarbeit, Problemlösung. Auch Programmieren. Ein Tool, das ich jeden Eltern empfehle.

Der US-Autor und Marketing-Experte Tom Goodwin twitterte jüngst, dass Coding eine gute Vorbereitung für das Jahr 2017 sei. Für 2025 wären Kreativität und Neugier besser – schließlich würde da bereits das Coden von Robotern übernommen werden. Warum liegt er falsch? Das eine schließt das andere nicht aus. Kreativität wird wichtig, aber Coden ist ein super Tool, um Kreativität zu lernen. Damit sind wir wieder bei Minecraft. Ich glaube nicht, dass jedes Kind eine Webseite, eine App, ein Tool programmieren können muss. Aber das Verständnis sollte da sein. Wie funktioniert, was kann ein Roboter, wo sind seine Schnittstellen? Und welche Mods kann ich entwickeln, damit Bots etwas für mich lösen?

Minecraft schafft es, dass Kinder neue Technologien lernen – aber es nicht als Lernen erleben.

Was muss jemand können, um in zehn Jahren bei oder für Microsoft zu arbeiten? Ich denke, dass es in zehn Jahren Jobs gibt, die wir heute noch nicht kennen – deshalb ist diese Frage schwer zu beantworten. Und natürlich kommt es auch darauf an, in welchem Bereich man arbeiten möchte. Was immer gefragt sein wird: Kreativität, Neugier, Flexibilität und Problemlösungsfähigkeit. Und – gerade in einem großen Unternehmen: eine gute Kommunikationsfähigkeit. Um mit Kollegen, Kunden – und in Zukunft vielleicht sogar Robotern – zu kommunizieren.

Auf den Medientagen 2015 hast Du mit dem Bayerischen Rundfunk ein Interview gegeben. Du erzähltest, dass Dein Sohn einen Coding-Workshop macht. Welchen? Und wie lernt er dort das Coden? Das war ein Minecraft-Coding-Workshop. Da gibt es zunächst eine Einführung – und wenn man Lust hat, kann man später dort ein Mal pro Woche sich mit den anderen austauschen – zum Beispiel, um Mods zu kreieren. Minecraft schafft es, dass die Kinder die neuen Technologien lernen – aber es nicht als Lernen erleben.

 

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