Diana Knodel: „Mein Traum ist, dass alle die Chance bekommen zu programmieren – unabhängig von sozialer Herkunft oder Geschlecht.“

Politiker quatschen, Journalisten schreiben, sie macht: Diana Knodel ist mit ihrem Unternehmen App Camps auf dem Weg, Programmieren an deutschsprachigen Schulen kostenlos zu etablieren. Warum macht sie das, was genau lernen die Jugendlichen – und was antwortet sie Kritikern?

Was lernen Kinder dank Dir, Diana Knodel? "Grundlagen der Informatik, kooperatives Arbeiten, neue Berufsbilder – und Selbstvertrauen." (Foto: Diana Knodel)
Was lernen Kinder dank Dir, Diana Knodel? „Grundlagen der Informatik, kooperatives Arbeiten, neue Berufsbilder – und Selbstvertrauen.“ (Foto: Diana Knodel)
Manche Politiker reden darüber (wie Christina Schwarzer, CDU),  vereinzelte Journalisten schreiben darüber (wie ich) – Diana Knodel macht es: Die 34-Jährige bringt (gemeinsam mit ihrem Ehemann Philipp) Jugendlichen ab der siebten Klasse das Programmieren bei. App Camps heißt ihr Unternehmen, das Schulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz seit Oktober 2015 kostenlose Lehrmaterialien zum Thema Coding bereitstellt, „damit diese selbständig Programmierkurse anbieten können“, wie die Sozialunternehmerin dem Hamburger Abendblatt jüngst erzählte. Die Idee kommt gut an: Das Förderprogramm von Google lobte 250.000 Euro aus, Vodafones Stiftung prämierte die Idee bereits 2014 mit 40.000 Euro. Im ersten halben Jahr soll sie rund 1.500 Schüler erreicht haben.

Diana, Du bringst Smartphones an Schulen. Schaffst oder zerstörst Du so die Zukunft unserer Kinder? Wenn ich der Meinung wäre, dass ich sie zerstören würde, würde ich es nicht machen. Unsere Welt ist schon so digital, da spielen digitale Fähigkeiten eine zentrale Rolle. Daher finde ich es wichtig, frühzeitig an die digitale Welt heranzuführen.

Warum ist es wichtig, dass alle Kinder Programmieren lernen? Es geht nicht darum, dass alle Programmierer werden. Es geht um Grundkenntnisse digitaler Kompetenz. Zum Beispiel „Daten speichern“ – was bedeutet das? Wer das selbst gemacht hat, kann es besser einordnen. Und dass Kinder vom Konsumenten zum Produzenten werden.

Schüler, die mit App-Camps an Schulen lernen, programmieren jede Doppelstunde eine App. Im ersten Modul ensteht eine App, die auf Knopfdruck miaut. Welche Lernziele habt ihr genau?

  1. Inhalte: Jede App vermittelt eine andere Grundlage der Informatik: Zum Beispiel If-Then-Else-Anweisungen, Listen, Datenstrukturen, Datenbanken oder Farbmischung.
  2. Kooperatives Lernen: die Kinder sollen lernen, wie man im Team arbeitet.
  3. Neue Berufsbilder: Wir geben Einblicke, was in Zukunft alles möglich sein kann.
  4. Selbstvertrauen: Schüler sollen merken, dass sie so etwas können. Merken, dass Programmieren nicht so kompliziert ist.

Wir wollen die erreichen, die denken, dass Programmieren nichts für sie ist.

Warum geht ihr mit eurem Programm an Schulen? Dadurch dass Lehrkräfte unsere Unterlagen nutzen, erreichen wir viel mehr Schülerinnen und Schüler als bei außerschulischen Angeboten. An diesen nehmen vor allem Kinder und Jugendliche teil, die von ihren Eltern in diesem Bereich gefördert werden. Das ist gut und deshalb sind solche Angebote wichtig. Aber wir wollen auch diejenigen erreichen, die von sich aus nicht an außerschulischen Angeboten teilnehmen. Diejenigen, die erstmal denken, dass Programmieren nichts für sie ist. Klassischerweise sind das eher Mädchen.

Warum ist es euch wichtig, auch Mädchen zu erreichen? Weil es noch zu wenige Frauen in diesem Bereich gibt. Weil Studien zeigen, dass gemischte Teams besser für das Klima und die Arbeitsergebnisse sind. Wir wollen jedem zeigen, dass Programmieren Spaß macht, dass es kreativ ist, dass jeder tolle Möglichkeiten damit hat. Und dass man in vielen Bereichen damit arbeiten kann. Das muss nicht die IT-Branche sein. Der Bildungsbereich zum Beispiel, oder in der Medizin. In Zukunft fast überall, weil die Digitalisierung  in allen Bereichen eine wichtige Rolle spielt.

Wenn Kinder ein erstes Erfolgserlebnis haben, fangen sie an, Fragen zu stellen. Und das Lernen beginnt.

Zeit.de hat im März über Dich und App Camps geschrieben, darunter kommentiert ein Leser namens Frank-Werner „Ich wüsste nicht, was das Erstellen von Katzen-Apps mit Programmieren zu tun hat.“ Was antwortest Du ihm? Wenn die Schülerinnen und Schüler ihre erste eigene App auf dem Handy öffnen – und es „Miau“ macht, dann siehst Du überall strahlende Gesichter. Und genau darum geht es: den Kinder ein erstes Erfolgserlebnis geben. Denn dann fangen sie an, Fragen zu stellen. Was muss ich tun, damit erst eine Katze, dann ein Hund erscheint? Und das Lernen beginnt: Sie müssen überlegen, wie sie das schaffen. So hinterfragen sie Dinge, probieren aus, werden neugierig – und genau darum geht es beim Programmieren: Man hat ein Problem – und muss es lösen.

Wie bringe ich Kindern das Coden am besten bei, wenn sie nicht in den Genuss von App Camps kommen? Es gibt viele kostenlose Tools. Zum Beispiel von code.org oder Hop Scotch. Letzteres finde ich toll, weil es jüngere Schüler anspricht, auf Deutsch ist und ich es auf dem iPad ausprobieren kann. Da verstehen Kinder schnell, dass der Computer das macht, was sie ihm beibringen. Einfach, spielerisch. Für Kinder ab etwa sieben oder acht Jahren.

In vielen Schulen ist das Smartphone generell verboten – zu viel Ablenkung vom Unterricht. Wie überzeugt ihr Schulen und Lehrer, dass die Schüler bei App Camps das Smartphone sogar extra rausholen sollen? Nun, um eine App zu entwickeln, gehört das dazu. Es ist wie in der Chemie: Da braucht man eben den Bunsenbrenner für Experimente. Mir ist aber auch klar, dass man nicht in jedem Unterricht das Smartphone rausholen sollte.

Es gibt die, die Bildschirme komplett ablehnen. Doch diese Meinungen sind meist sehr undifferenziert.

Was sind die Hauptargumente der Skeptiker eurer Idee? Es gibt die, die Bildschirme komplett ablehnen. Sie sagen, dass diese schlecht sind für die Aufmerksamkeit von Schülern. Doch diese Meinungen sind meist sehr undifferenziert. Natürlich bin ich auch nicht dafür, Kinder nur vor dem Bildschirm zu parken. Aber Computer ermöglichen eben auch olle Lerngelegenheiten.

Der Ulmer Hirnforscher Manfred Spitzer warnt in seinem Buch „Cyberkrank“ vor gesundheitlichen Folgen von zu viel Smartphone-Nutzung. Vor allem bei Kindern, deren Hirne noch nicht ausgereift seien. Viele halten ihn für einen Alarmisten. Was aber sagst Du Eltern oder Lehrern, die seine Angst teilen? Wichtig ist, dass die Kinder einen guten Umgang lernen. Dass sie nicht nur wild konsumieren, sondern auch kreative Dinge tun. Und lernen, was gute Inhalte sind, wie sie mit einem mobilen Gerät arbeiten und wann sie es weglegen  – um sich mit etwas anderem zu beschäftigen.

Aus Deiner Erfahrung: Warum haben viele Eltern und Lehrer Angst vor dem Digitalen? Weil sie sich selbst nicht so gut auskennen. Nicht wissen, was die Kinder damit machen. Zudem wird in Deutschland häufig negativ darüber berichtet – in den Schulen geht es eher um die Gefahren, nicht um die Chancen.

Deine Vision von App Camps? Mein Traum ist, dass alle Jugendlichen die Chance bekommen zu programmieren – unabhängig von sozialer Herkunft oder Geschlecht. So lernen sie Fähigkeiten für die Zukunft, die bald in fast allen Berufen eine Rolle spielen.

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